Schnipselsammlung


16 Kommentare

Flüchtlinge schreiben

Mit einer Gruppe junger Flüchtlinge, die schon recht gut Deutsch sprechen können, haben wir ein Projekt laufen, das die Teilnehmer zum Schreiben anregen soll.
In der ersten Stunde haben wir es ihnen erklärt und gefragt, wer worüber schreiben möchte.
„Volleyballturnier!“, „Küchenteam“, „meine Hobbies“… es kamen viele Vorschläge und wir liessen ihnen frei, ein individuelles Thema zu wählen.

In der darauf folgenden Stunde wurden die Texte vorgelesen.

Da war Überraschendes dabei wie der Text eines Bewohners, der von seiner Liebe zu den Bergen berichtete, und dass er gern mal auf das Matterhorn steigen würde, weil es so schön sei. Er versorgte uns mit Fakten und zeigte uns anschliessend auf der Wandkarte, wo das Matterhorn sich befindet. Da habe auch ich etwas dazu gelernt.
Es gab Unterhaltsames vom Küchenteam zu hören, das auf einer Veranstaltung für das leibliche Wohl gesorgt hatte und dafür viel Lob erntete.
Und Berührendes wie der Bericht eines jungen Afghanen, der in seiner Heimat Profi-Cricketspieler werden wollte,  man diese Sportart hier aber leider so gut wie gar nicht kenne.

Für die nächste Woche sind erneut interessante Texte zu erwarten. Ein Teilnehmer möchte über seine Mutter schreiben, ein anderer über seine Heimat Afghanistan, ein dritter über sein Training im Fitnessraum.

Natürlich sind ihre Texte nicht perfekt, wobei ich bei zweien allerdings schon sehr erstaunt war, wie gut sie schreiben können, aber das macht gar nichts. Das Ziel ist, sie zu beschäftigen, sie zum Nachdenken anzuregen, sie dadurch mit unserer Sprache noch vertrauter zu machen, und für mich ist es sehr spannend zu sehen, wofür diese Jungs sich interessieren.

Meine Idee für ein anderes Mal ist, einen besonderen Gegenstand mitzubringen, vielleicht etwas, das sie nicht kennen (können) und sie ein bisschen darüber phantasieren zu lassen, was es mit dem Gegenstand auf sich hat.

Wer jetzt spontan eine Idee dazu hatte, darf mir das gern in den Kommentaren mitteilen. Ich freue mich über jede Anregung🙂

 

 

 


12 Kommentare

Minipli fürs Oto

Jaaaa, meine Lieben, in der Türkei gibt’s was, das gibt’s hier nicht.Den Oto Kuaför, also den Auto-Friseur!

War leider schon geschlossen, so dass ich ihn nicht in Aktion erleben konnte, aber es schien tatsächlich ein Schönheitssalon fürs Wägelchen zu sein. 

Könnt ihr mal sehen… In der Türkei hat sogar das Auto die Haare schön. 


8 Kommentare

Gespenst, Geist, Ghost, Huhuuu!

Hui, momentan schauen in meiner Deutschhilfe jedes Mal neue Gesichter vorbei. Fast niemand macht einen offiziellen Deutschkurs, obwohl meine Stunden dort ja ursprünglich zur Nachhilfe für diejenigen gedacht waren, die eine Schule besuchen. So heisst es improvisieren, viel wiederholen, immer wieder von vorne anfangen, und dabei die fortgeschritteneren Schüler nicht vernachlässigen.
Ich wünschte, es gäbe ausser mir noch jemanden, der Deutsch gibt, aber leider verhallte ein Aufruf meinerseits ungehört in den Weiten des weltweiten Netzes.

Also schlagen wir uns so durch. Das Material müssen die Schüler von ihrem eigenen Geld bezahlen, was mir zwar Leid tut, aber ich kann leider nicht haufenweise Bücher aus eigener Tasche ordern. Daran sehe ich allerdings auch, wem es ernst ist mit der Lernerei. Da gibt es zum Beispiel zwei Tamilen in meinem Alter, die beide gehbehindert sind und voraussichtlich nie einen Deutschkurs machen werden, weil es für sie einfach zu mühsam ist, dort überhaupt hinzugelangen. Sie haben direkt alle drei vorgeschlagenen Bücher bestellt und sind immer eifrig zur Stelle, warten sogar oft schon auf mich vor dem Kursraum.

Interessant ist es immer, diese Menschen während des Kurses langsam kennenzulernen. Anfangs sind die meisten etwas scheu. Ich glaube, viele sind schüchtern, weil ich eine Frau bin, aber mit ein bisschen Humor habe ich sie fast alle weich gekocht. Und wem das nicht passt, der kommt nicht mehr. So einfach ist das, und auch das kommt vor.

Ich bin jetzt fast ein Jahr dort tätig und gehe immer noch jedes Mal mit Freude hin. Gespannt, weil ich nicht weiss, was mich wieder erwartet, aber auf alle Fälle mit Freude.

Tamil

„Tamil“ auf Tamil. (Quelle: antano via wiki commons) 

 

 

Lernen tue ich auch dabei. Zum Beispiel wie die politische Lage in Kamerun ist, oder dass die Tamilen trotz der über 200 Laute ihrer Sprache Mühe mit vielen unserer Laute haben. Habt ihr euch die Buchstaben des Tamilischen schon mal angeschaut? Das sind richtige kleine Kunstwerke. Oder googelt mal nach der Sprache Tigrinya, die in Eritrea gesprochen wird. Eritreer scheinen übrigens keine Gespenster zu kennen. Falls dies ein Eritreer liest, kläre er mich bitte auf, ob das einfach so ist, oder ob nur „meine Jungs“ damit nichts anfangen können. Egal, wie ich mich bemühe, ein Gespenst zu imitieren, sie schütteln immer die Köpfe.


10 Kommentare

Kitap Cafe

In Manavgat/Türkei

Bücher, Bücher, Bücher! Ein Paradies für jeden Lesewurm.

Im Kitap Cafe (zu Deutsch Büchercafé, [das hätte jetzt niemand erwartet, was?]) stehen sie in Regalen, liegen auf allen Tischen und hängen sogar von der Decke herab.

Ganz passend zur fröhlichen Stimmung bekam ich dort diesen niedlichen Kuchen:

Und selbst diese Warnung hat uns vom Besuch des Cafés nicht abhalten können:

Es gab übrigens nicht nur türkische Bücher. Ein großes Regal war komplett mit ausländischer Literatur bestückt. 

Das ganze liegt an einer wunderschönen Promenade den Fluss entlang. Von Manavgat hatte ich vorher noch nie gehört und es hat mich sehr überrascht, mit wieviel liebe zum Detail diese Stadt daherkommt. Überall kleine Brunnen mit schöner Beleuchtung und Sitzgelegenheiten, Skulpturen, wohin man blickte, tolle Spiel- und Fitnessplätze. Und alles total sauber. Ehrlich, da könnten sich Schweizer Städte mal eine dicke Scheibe abschneiden. 

Uns wurde erzählt, dass Manavgat im Gegensatz zu Side oder Antalya keine Touristenstadt sei (es waren auch tatsächlich nicht viele zu sehen), sondern dass dort hauptsächlich diejenigen mit ihren Familien wohnen, die in den Touristenhochburgen arbeiten. 

Wen es demnächst zufällig dorthin verschlagen sollte, dem empfehle ich eine nächtliche Bootstour den Fluss rauf und runter. Man hat eine phantastische Atmosphäre mit Nebel über dem Wasser und der Uferbeleuchtung. 


8 Kommentare

Go!

Gnihihihi, ich habe es getan. 

Ich habe Pokémon Go runtergeladen und bin über eine Stunde bei strömendem Regen durch Kaff und Wald gelatscht, um virtuelle Viecher zu fangen, die mich vor etlichen Jahren schrecklich nervten, weil mein damals 6jähriger Sohn nicht mehr aufhörte, davon zu quasseln. 

Und heute? Nos-tal-gie!!!

Ich muss sagen, es ist genial, denn dabei entdeckt man sogar neu aufgestellte Spielgeräte im Wald. Toll. Ein neues Ausflugsziel für den 5jährigen. Kind schaukelt und Mama fängt Mauzis und Taubsis und Smogons. 

Ein Paras unter meinem Regenschirm. DER Traum der 90er Kids wird fast wahr.